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	<title>Heinz Kühn Blog</title>
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	<description>Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.</description>
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		<title>Heinz Kühn Blog</title>
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		<title>Schöne neue Welt</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 20:22:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carsten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carsten Upadek - Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Tucurí. Diesmal soll es keine brennenden Autos geben, keine Besetzung der Schaltzentrale des Staudamms, keine Schüsse und keine Verhaftungen. Bei dieser Demonstration will die Bewegung der Staudammopfer (MAB) mit der staatlichen Energiefirma über das versprochene Geld reden. Es geht um das Wasserkraftwerk Tucurí im brasilianischen Bundesstatt Pará, knapp 400 Kilometer südöstlich von Belo Monte. Tucuruí [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2080&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tucurí.</strong> Diesmal soll es keine brennenden Autos geben, keine Besetzung der Schaltzentrale des Staudamms, keine Schüsse und keine Verhaftungen. Bei dieser Demonstration will die <em>Bewegung der Staudammopfer</em> (MAB) mit der staatlichen Energiefirma über das versprochene Geld reden. Es geht um das Wasserkraftwerk Tucurí im brasilianischen Bundesstatt Pará, knapp 400 Kilometer südöstlich von Belo Monte. Tucuruí ist seit vergangenem Jahr fertiggestellt. „Die sozialen Probleme aber bleiben“, sagt MAB-Koordinatorin Euvanice Furtado. „Wenn sie nicht bald bereit sind zu reden, dann werden wir unsere Erwartungen eben auf radikalere Art ausdrücken.“</p>
<p>Drei Tage zuvor erinnert die rötlich-staubige Piste der Transamazônica an einigen Stellen auf dem Weg nach Tucuruí mehr an eine mit Schlaglöchern überzogene Motocross-Strecke, als an eine Straße. Insgesamt 5000 Kilometer zwängt sie sich durch Amazonien. An ihrem Rand haben sich in den 80-er Jahren Kleinstädte wie Pacajá angesiedelt: 25.000 Menschen, kein Krankenhaus, kein Abwassersystem, keine Bank, kein Asphalt. Die Bewohner hier unterscheiden nicht zwischen Regen- und Trockenzeit, sondern zwischen „Matsch und Staub“.</p>
<p>Für 400 Kilometer braucht der Bus ungefähr zehn Stunden. Dann beginnt die Zivilisation. Das Zentrum von Tucuruí hat Straßen mit Zebrastreifen, ein Einkaufszentrum und sogar eine Stadtbibliothek. Am Kai des Stausees warten Frauen mit weißen Sommerhüten auf das Motorboot, dass sie zum gegenüberliegenden Strand fahren soll.</p>
<p>Als hier 1975 der Bau des Wasserkraftwerks begann, hatte Tucuruí 8000 Einwohner. Heute sind es 100.000. So etwas wie ein Umweltgutachten gab es nicht. Zur Entlaubung des Waldes ließ die Regierung <em>Agent Orange</em> sprühen, jenes Herbizid, das während des Vietnam-Krieges traurige Berühmtheit erlangte. In Pará zerstörte das Gift nicht nur große Waldgebiete, sondern auch die Häuser und Lebensgrundlage von tausenden Landbewohner und indigenen Völkern. Als die Staumauer 1984 geschlossen wurde, überschwemmte das Wasser fast 2900 Quadratkilometer, also fast die fünffache Fläche des Bodensees. 30.000 Menschen verloren ihr Heim, die Vegetation unter der Wasseroberfläche begann sich zu zersetzen und Methangas zu produzieren. Algen und Moskitos hatten optimale Bedingungen. Die Fallzahlen von Malaria stiegen rasant.</p>
<div id="attachment_2086" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/08/staudamm-tucurui.jpg"><img class="size-medium wp-image-2086" title="staudamm tucurui" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/08/staudamm-tucurui.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Der Staudamm Tucuruí.</p></div>
<p>Fünf- bis sechstausend Megawatt Energie generiert der Staudamm Tucuruí heute durchschnittlich. Damit könnte man die Stadt Köln mehr als fünf Jahre mit Strom versorgen. „Fast 100 Prozent der Energie gehen an die Industrie“, sagt Edilson Junior, Referatsleiter für Umweltangelegenheiten in Tucuruí. Gerade im Norden des Landes gibt es bedeutende Bauxit-Vorkommen, deren Förderung und Umwandlung in Aluminium sehr viel Energie erfordert.</p>
<p>Referatsleiter Edilson Junior ist ein freundlicher Anwalt Ende 30, der von der Stadtverwaltung gern als eloquenter Gesprächspartner vorgeschlagen wird. Seine Mutter kam als eine leitende Mitarbeiterin eines Bergbauunternehmens nach Tucuruí, er selbst arbeitete acht Jahre als Anwalt für die Firma. Die jährlichen Ausgleichszahlungen des Energiegiganten <em>Eletronorte</em> sorgten für einigen Wohlstand in der Stadt. Es sei aber vergessen worden, sich auf die Zeit nach den Bauarbeiten vorzubereiten. „Wir haben Schleusen, aber keinen Hafen, den wir als Zugang für die Industrie bräuchten“, sagt Edilson Junior.</p>
<p>Mit dem Ende der Bauarbeiten im vergangenen November stieg die Zahl der Arbeitslosen immens. „Letztes Jahr noch“, sagt die alte Frau, die vor der Tür gefüllte Teigtaschen verkauft, „gingen davon 300 weg wie nichts“. Heute steht sie schon seit Stunden in der prallen Sonne und hat erst drei verkauft. Euvanice Furtado von der Staudamm-Opferbewegung <em>MAB</em> drückt es polemischer aus: „Es gibt für die meisten Leute hier nur zwei Optionen: weggehen oder kriminell werden.“ Der vermeintliche Fortschritt sei trügerisch, meint sie. „Geh in die Viertel etwas außerhalb des Zentrums! Da gibt es keinen Asphalt, kein fließendes Wasser, kein Abwassersystem!“</p>
<p>Eines dieser insgesamt 37 inoffiziellen Viertel ist <em>Palmares</em>. Vor zwölf Jahren besetzten Menschen diesen Hügel außerhalb der Stadt. Eine der Besetzerinnen war Francisca Feitosa, heute 62 Jahre alt. Statt zu klingeln, klatscht man an der Haustür, um sich anzumelden. Mitte der 90-er war sie mit ihrem Mann und den Kindern nach Tucuruí gekommen. Als Landarbeiter hofften sie hier auf Arbeit. Fünf Jahre wohnten sie im Zentrum der Stadt – 16 Menschen in drei Zimmern – bis ihnen die Miete zu teuer wurde.</p>
<p>„Wir hatten keine Wahl“, sagt sie. Ihr geräumiges Holzhaus hat einen Kühlschrank, einen Fernseher und sogar eine Pumpe, die die Familie und einige Nachbarn mit Grundwasser versorgt. Das Abwasser fließt jedoch einfach hinten den Hügel hinunter, Regen verwandelt die Straße vor der Tür in einen lehmig braunen Sumpf. „Die Stadtverwaltung hat uns vergessen. Es gibt keinen Arzt hier, keine Post, keine Schule“, sagt Francisca Feitosa. „Die Situation ist furchtbar. Nicht einmal der Krankenwagen traut sich hier herein, weil es keine Straßen gibt. Und die Polizei kommt auch nicht.“</p>
<div id="attachment_2084" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/08/euvanice-demo.jpg"><img class="size-medium wp-image-2084" title="euvanice demo" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/08/euvanice-demo.jpg?w=300&#038;h=202" alt="" width="300" height="202" /></a><p class="wp-caption-text">Euvanice Furtado (li.) droht via Radio dem Energieversorger Eletronorte.</p></div>
<p>Die Demonstration zeigt Wirkung. Eletronorte schickt einen Wagen, um Euvanice Furtado und zwei Kolleginnen von MAB zur Zentrale des Energieversorgers zu bringen. „Seit 2004 diskutieren wir die Freigabe eines Kredits zur Weiterbildung für 977 vom Staudamm betroffene Familien. Und wir diskutieren seit 2007 über Geld für Fischer, die durch die Schleusen ihre Arbeit kaum noch ausüben können“, berichtet die Koordinatorin auf dem Weg.</p>
<p>Im Konferenzsaal eines flachen Containergebäudes warten zwei grauhaarige Ingenieure auf die Frauen. Einer von ihnen ist der verantwortliche Manager Waldo Neto. Still hört er sich die Forderungen an, sagt dann aber, er könne nichts tun. „Alle finanziellen Mittel der Schleusen kommen vom Verkehrsministerium. Eletronorte ist nur der Auftragnehmer. Deshalb muss das Verkehrsministerium auch das Geld freigeben.“ Aber er verspricht, die Forderungen nach Brasilia weiterzuleiten. Das reicht Euvanice de Jesus Furtado aber nicht. „Wir wollen eine Versammlung mit allen Beteiligten, Bund, Land und Eletronorte, damit nicht einer die Schuld auf den anderen schieben kann. Zehn Tage haben wir ihnen für eine Antwort gegeben. Dann gehen wir wieder auf die Straße. Bis jetzt waren wir viel zu friedlich!“</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/heinzkuehn.wordpress.com/2080/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/heinzkuehn.wordpress.com/2080/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/heinzkuehn.wordpress.com/2080/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/heinzkuehn.wordpress.com/2080/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/heinzkuehn.wordpress.com/2080/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/heinzkuehn.wordpress.com/2080/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/heinzkuehn.wordpress.com/2080/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/heinzkuehn.wordpress.com/2080/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/heinzkuehn.wordpress.com/2080/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/heinzkuehn.wordpress.com/2080/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/heinzkuehn.wordpress.com/2080/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/heinzkuehn.wordpress.com/2080/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/heinzkuehn.wordpress.com/2080/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/heinzkuehn.wordpress.com/2080/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2080&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>&#8222;Wovon soll ich mir etwas zu Essen kaufen?&#8220;</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 18:28:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carsten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carsten Upadek - Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Isaias Silva Rocha vor ein paar Tagen erwacht, stehen 20 Polizisten vor seiner Holzhütte. Die Männer haben ein Schreiben des Amtsgerichts von Altamira im brasilianischen Bundesstaat Pará dabei. Darin steht, dass Isaias Silva Rocha und seine Nachbarn das Gelände zu verlassen hätten. „Sie sagten, sie werden alles niederreißen“, erzählt er. Wo aber sollte er [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2069&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als Isaias Silva Rocha vor ein paar Tagen erwacht, stehen 20 Polizisten vor seiner Holzhütte. Die Männer haben ein Schreiben des Amtsgerichts von Altamira im brasilianischen Bundesstaat Pará dabei. Darin steht, dass Isaias Silva Rocha und seine Nachbarn das Gelände zu verlassen hätten. „Sie sagten, sie werden alles niederreißen“, erzählt er. Wo aber sollte er mit seiner Frau und seinen vier Kindern hin?</strong></p>
<p>Isaias Silva Rocha und seine Frau Clea haben zwei Jungen und zwei Mädchen zwischen zwei und acht Jahren. Für sie ist Isaias jeden Tag auf den Straßen von Altamira unterwegs. Der 35-Jährige sammelt metallische Abfälle wie Dosen und verkauft sie an Recycling-Stellen. Umgerechnet rund 130 Euro verdient er damit im Monat, 300 Reais. Zusammen mit dem Geld aus einem Sozialprogramm reicht das gerade so zum Leben. „Es reicht aber nicht, um in Altamira Miete zu bezahlen“, sagt Isaias.</p>
<p>Anfang Juni erteilte die brasilianische Regierung die Baugenehmigung für das Staudammprojekt „Belo Monte“. Zwei Mega-Wasserkraftwerke sollen Brasilien ab 2015 mit Strom versorgen. Allein der Stausee wird etwa die Größe des Bodensees haben. Seit der Genehmigung strömen nun Menschen und Maschinen nach Altamira. Die Immobilienpreise explodieren. Reich wird, wer Häuser oder Land besitzt.</p>
<p>„Ein Zimmer, das früher 250 Reais gekostet hat, kostet jetzt 750“, schimpft Joel Guerra von einer brasilianischen Arbeiterbewegung. Und die Professorin Raquel Lopes, eine bekannte Sprachwissenschaftlerin, erzählt, sie habe günstiger in Paris gewohnt als nun in Altamira. „Viele verdienen hier wie ich den Mindestlohn von 580 Reais“, berichtet Elisanjela Barreto, eine Nachbarin von Isaias Silva Rocha. „Wovon soll ich mir etwas zu Essen kaufen, wenn die Miete schon 400 Reais kostet?“</p>
<p>„Die Menschen können die Mieten nicht mehr bezahlen. Deshalb suchen sie Land mit ungeklärten oder dubiosen Besitzverhältnissen und besetzen es“, erklärt Joel Guerra. Für ihn ist das nur gerecht. Als der Metallsammler Isaias Silva Rocha von der Landbesetzung hörte, war die Entscheidung deshalb einfach. „Ich wollte meiner Familie eine Perspektive bieten“, sagt er. Fünf besetzte Gebiete rund um Altamira gibt es schon, drei weitere Besetzungen sind bereits für September beschlossene Sache. Wie viele Menschen insgesamt in den Gebieten leben, ist nicht bekannt. Allein auf dem majestätisch gelegenen Hügel Alberto Soares sollen es aber 300 Familien gewesen sein, bevor die Polizei kam. Rund 1000 Menschen.</p>
<div id="attachment_2071" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/08/blog1.jpg"><img class="size-medium wp-image-2071   " title="blog1" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/08/blog1.jpg?w=300&#038;h=200" alt="Der Hügel &quot;Alberto Soares&quot;: Das besetzte Gebiet wurde von der Polizei geräumt." width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Der Hügel &quot;Alberto Soares&quot;: Das besetzte Gebiet wurde von der Polizei geräumt</p></div>
<p>Die Anhöhe flankiert die südliche Einfahrt des Flusses Xingu nach Altamira. Der Ausblick ist atemberaubend. Es riecht nach Holzkohle – Ergebnis wochenlanger Brandrodung. Vereinzelt stehen noch fragile Fassaden von Holzhütten. Den Rest hat die Polizei niedergerissen. Statt dessen haben die Menschen Schilder mit ihren Namen beschriftet und angebracht, um den Anspruch zu markieren.</p>
<p>Die Habseligkeiten von Isaias Silva Rocha und anderen Familien stehen nun vor dem Rathaus von Altamira. Unter einer Plane ist eine Art Wohnfläche aufgebaut. Backofen und die Spüle sind von Isaias. Küchentisch und das Sofa von den Nachbarn. „Schuld an allem ist Belo Monte“, sagt Koordinator Joel Guerra. „Altamira hat nicht die Kapazität für so viele Leute von außerhalb.“ Offiziell hat die Stadt laut Volkszählung aus dem Jahr 2000 knapp 78.000 Einwohner. Anfang 2010 sollen es schon 90.000 Menschen gewesen sein und aktuell über 110.000.</p>
<p>Carlos Deussantos würde lieber heute als morgen zurück auf „seine“ paar Quadratmeter besetztes Land. „Das Gesetz sollte uns unterstützen und nicht korrupte Politiker“, meint er. Er hofft auf die Einsicht der Stadtverwaltung und Regierung. Denn es gibt zwar einen offiziellen Besitzer des Hügels „Alberto Soares“. Doch für die Menschen im Protestcamp ist der mehr als dubios. Joel Guerra präsentiert zwei Urkunden aus den Jahren 1981 und 1991. Die erste weist „Eletro Norte“, den Hauptanteilseigner des Belo Monte-Konsortiums „Norte Energia“ als Eigentümer aus. Zehn Jahre später ist das Gelände laut Urkunde im Besitz eines lokalen Rundfunksenders, der wiederum einem einflussreichen Politiker und Geschäftsmann gehört.</p>
<div id="attachment_2070" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/08/blog2.jpg"><img class="size-medium wp-image-2070" title="blog2" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/08/blog2.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Joel Guerra von der Arbeiterbewegung organisiert das Protestcamp vor dem Rathaus von Altamira</p></div>
<p>Clea Silva Rocha, die Frau des Metallsammlers Isaias, ist etwas nervös angesichts der momentanen Situation vor den Toren des Rathauses. Denn niemand weiß, wie lange sie anhalten wird. Allerdings ist ihr Mann Isaias fest entschlossen hier zu bleiben, bis eine Lösung gefunden ist. Joel Guerra prophezeit nichts Gutes: „Momentan sind es fünf besetzte Gebiete. Insgesamt schätze ich, dass wir im Laufe der Bauarbeiten auf über 50 kommen werden.“ Dass es dabei zwischen Besetzern und Polizei immer friedlich bleiben wird, bezweifelt er.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/heinzkuehn.wordpress.com/2069/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/heinzkuehn.wordpress.com/2069/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/heinzkuehn.wordpress.com/2069/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/heinzkuehn.wordpress.com/2069/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/heinzkuehn.wordpress.com/2069/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/heinzkuehn.wordpress.com/2069/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/heinzkuehn.wordpress.com/2069/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/heinzkuehn.wordpress.com/2069/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/heinzkuehn.wordpress.com/2069/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/heinzkuehn.wordpress.com/2069/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/heinzkuehn.wordpress.com/2069/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/heinzkuehn.wordpress.com/2069/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/heinzkuehn.wordpress.com/2069/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/heinzkuehn.wordpress.com/2069/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2069&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>fast Halbzeit</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 14:11:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stories of asia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Mongolei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Zeit vergeht wie nichts. Nun ist schon fast Halbzeit meines Stipendienaufenthalts, beinahe ohne dass ich es gemerkt habe. Bisher habe ich das mongolische Nationalfest Naadam mitgefeiert, einen 6-jährigen Jockey getroffen, mein Praktikum beim deutschen Radio Ulan Bator absolviert, währenddessen mit mongolischen Nazis und Vegetariern gesprochen, ein paar deutsche Ausstauschstudenten porträtiert, mit Mongolen Salsa getanzt [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2063&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zeit vergeht wie nichts. Nun ist schon fast Halbzeit meines Stipendienaufenthalts, beinahe ohne dass ich es gemerkt habe.</p>
<p>Bisher habe ich das mongolische Nationalfest Naadam mitgefeiert, einen 6-jährigen Jockey getroffen, mein Praktikum beim deutschen Radio Ulan Bator absolviert, währenddessen mit mongolischen Nazis und Vegetariern gesprochen, ein paar deutsche Ausstauschstudenten porträtiert, mit Mongolen Salsa getanzt und mit einem Verein von Deutschlandrückkehrern einen Ausflug aufs Land gemacht. Vor allem aber habe ich jede Menge unglaublich interessanter Leute getroffen: ganz viele Locals natürlich, aber auch Expats, die hier leben oder Leute, die mit spannenden Projekten auf der Durchreise sind: z.B. den Assistenten eines Parlamentariers, einen Umweltaktivisten, der davon träumt mit mobilem WLAN aus Nomaden Bürgerjournalisten zu machen, einen deutschen Investment-Bänker, der seit zwei Jahren den mongolischen Wirtschaftsboom aus nächster Nähe betrachtet, einen Österreicher, der hier Fairtrade-Gold etablieren möchte, eine ehemalige Englischlehrerin aus der Provinz, die mittlerweile für eine große Internationale Bergbaufirma als Dolmetscherin arbeitet, viele viele Mongolen, die perfekt deutsch sprechen &#8211; mal mit bayrischem, mal mit Berliner Akzent, mehrere Fotografen, darunter eine, die hier lebt und neben spannenden Fotoreportagen die neuen Superreichen fotografiert, eine Reihe mongolischer Vegegetarier, die &#8211; inspieriert von einer vietnamesischen Meditationssekte &#8211; nur noch Schaschliks und Teigtaschen mit Fleischimitat aus Soja essen, einen Restaurantbesitzer aus der inneren Mongolei (China), der Probleme mit mongolischen Nationalisten hat, die Chinesen hassen, obwohl er viel traditioneller aufgewachsen ist als sie (als Schafhirte im Grasland und nicht im Yurtenslum von UB).</p>
<p>Vor allem aber von meiner mongolischen Mitbewohnerin lerne ich unglaublich viel über das Land und die Menschen. Sie ist auch Journalistin und schreibt obendrein gerade an ihrer Doktorarbeit.</p>
<p>Die letzten Wochen folgte ein Treffen aufs nächste und so habe ich sehr wenig Zeit am Computer verbracht &#8211; aber das ist ja irdendwie auch gut so.</p>
<p>Morgen geht es endlich aufs Land für mein Hauptrecherchethema: den Bergbau und besonders den informellen Kleinbergbau. 600km oder 14 Stunden von Ulan Bator entfernt werde ich einige Zeit mit den Ninjas, den privaten Goldsuchern, verbringen und mir anschauen, wie sie leben und arbeiten. Bisher habe ich hier in der mongolischen Hauptstadt viel über die Hintergründe erfahren, weshalb so viele Menschen hier als Ninjas arbeiten und wie das mit dem industriellen Bergbau zusammenhängt; der nimmt hier gerade mit einigen Großprojekten so richtig Fahrt auf. (dazu dann später mehr)</p>
<p>Daneben gibt es einige Projekte von Entwicklungsorganisationen, die darauf abzielen den Kleinbergbau rechtlich abgesichert und sozial und ökologisch nachhaltig zu gestalten. Nun bin ich gespannt, das Ganze live und in Farbe zu erleben&#8230;.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/heinzkuehn.wordpress.com/2063/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/heinzkuehn.wordpress.com/2063/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/heinzkuehn.wordpress.com/2063/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/heinzkuehn.wordpress.com/2063/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/heinzkuehn.wordpress.com/2063/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/heinzkuehn.wordpress.com/2063/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/heinzkuehn.wordpress.com/2063/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/heinzkuehn.wordpress.com/2063/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/heinzkuehn.wordpress.com/2063/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/heinzkuehn.wordpress.com/2063/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/heinzkuehn.wordpress.com/2063/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/heinzkuehn.wordpress.com/2063/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/heinzkuehn.wordpress.com/2063/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/heinzkuehn.wordpress.com/2063/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2063&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>„Um 6 Uhr wird er uns alle töten“*</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 20:33:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carsten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carsten Upadek - Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Ins Gefängnis würde er nicht zurück gehen, das wusste Sandro do Nascimento. Das Gefängnis war die Hölle, heiß, dreckig, überfüllt. Sandro ist auf Kokain, das er mit Geld aus einem Überfall bezahlt hat. Die Militärpolizei ist ihm auf den Fersen. Also besteigt er den Stadtbus mit der Nummer 174 vor den majestätischen Palmen des botanischen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2049&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ins Gefängnis würde er nicht zurück gehen, das wusste Sandro do Nascimento. Das Gefängnis war die Hölle, heiß, dreckig, überfüllt. Sandro ist auf Kokain, das er mit Geld aus einem Überfall bezahlt hat. Die Militärpolizei ist ihm auf den Fersen. Also besteigt er den Stadtbus mit der Nummer 174 vor den majestätischen Palmen des botanischen Gartens in Rio de Janeiro, zückt seinen 38-er Revolver und nimmt elf Fahrgäste als Geiseln.</strong></p>
<p>Gleichzeitig mit der Polizeiverstärkung und der Sondereinheit BOPE treffen die Kamerateams des größten Fernsehsenders „TV Globo“ ein, deren Zentrale nur einen Steinwurf entfernt ist. 35-Millionen Brasilianer erlebten live die mehr als vierstündige Geiselnahme im TV.  Das war im Juni 2000. Sandro do Nascimento ist zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt. Es sollte der letzte Tag seines Lebens sein.</p>
<p>Der Vater von Sandro verlässt die Mutter noch vor seiner Geburt. Sie zieht ihn zunächst in einem Armenviertel von Rio auf. Als Sandro sechs Jahre alt ist, wird die Mutter vor seinen Augen ermordet. Sandro lebt von nun an auf der Straße, so wie hunderte andere Kinder und Jugendliche. Die meisten wie er: männlich und dunkelhäutig. Statt lesen und schreiben zu lernen, lernt er betteln und klauen, nimmt Drogen. Er schläft wie viele andere Straßenkinder im Eingangsbereich der Candelaria-Kirche, der schönsten und bekanntesten Kirche der Stadt, ein Wahrzeichen von Rio.</p>
<p>Am 23. Juli 1993, vor 18 Jahren, eröffnet eine Patrouille der Militärpolizei das Feuer auf 72 dort schlafende Kinder. Vermutlich werden sie von Geschäftsinhabern bezahlt, die die Unruhestifter los werden wollen. Acht obdachlose Kinder sterben im Kugelhagel, viele werden verletzt. Die Tat löst weltweit Proteste und Spendenaktionen aus, von denen die Straßenkinder jedoch kaum etwas spüren.</p>
<div id="attachment_2057" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/candelaria.jpg"><img class="size-medium wp-image-2057" title="candelaria" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/candelaria.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Beliebtes Hochzeitsmotiv: Die Kirche Candelaria in Rio de Janeiro</p></div>
<p>Das Massaker von Candelaria wird Mitte der 90-er Jahre kurz zum Symbol für Gewalt gegen Kinder. Doch das globale Gedächtnis ist kurz. Schnell ist Candelaria wieder vergessen, die Todesschwadronen aber bleiben. Von den mutmaßlichen Tätern wird nur ein Polizist schuldig gesprochen.</p>
<p>Jahre später sucht ein Sozialarbeiter nach den 64 Überlebenden des Blutbades. Das Ergebnis: Von ihnen sind weitere 39 eines gewaltsamen Todes gestorben, als Täter bei Überfällen, in Bandenkriegen oder als Opfer von Todesschwadronen der Polizei. Von den 25 Verbliebenen sitzen zehn in Haft, zwei haben sich mit Aids infiziert, zwei sind Größen im Drogengeschäft, zwei Schicksale sind ungeklärt. Von den neun leben acht weiterhin auf der Straße. Der Neunte ist Sandro do Nacimento, der Enführer des Stadtbuses 174.</p>
<p>Nach ein paar Stunden lässt er die Alten und Schwachen Geiseln gehen, sechs bleiben. Sondereinheiten umkreisen den Bus, wollen den Entführer aber nicht live im TV töten. Irgendwann schreibt eines der Opfer mit Lippenstift an die Scheibe: „Er wird uns alle um 6 töten“. Sandro do Nacimento will erreichen, dass der Bus freigegeben wird. Doch nichts passiert.</p>
<p>Schließlich nimmt er sich eine der Geiseln, Geisa Gonçalves und verlässt den Bus. Die Polizei nutzt die Chance. Von hinten springt ein Spezialbeamter auf Sandro do Nacimento zu und schießt. Aus kürzester Entfernung verfehlt der Polizist aber den Entführer und trifft die Geisel. Im Rückwärtsfallen drückt Sandro do Nacimento instinktiv zweimal den Abzug. Geisa Gonçalves stirbt mit zwei Kugeln im Rücken und einer im Nacken.</p>
<p>Die Polizei überwältigt Sandro do Nacimento und zerrt ihn in einen Polizeiwagen. Die Menge schreit: „Tötet diesen Hurensohn“. Auf dem Weg zum Polizeirevier stirbt Sandro do Nacimento durch Erstickung aus ungeklärten Umständen. Die mitfahrenden Polizisten werden nie verurteilt.</p>
<p>Von den 64 überlebenden Kindern des Candelaria-Massakers ist Sando do Nacimento das 40., das eines gewaltsamen Todes stirbt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>*Anlässlich des 18. Jahrestages des Massakers von Candelaria ein Nachtrag zu Rio de Janeiro.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/heinzkuehn.wordpress.com/2049/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/heinzkuehn.wordpress.com/2049/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/heinzkuehn.wordpress.com/2049/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/heinzkuehn.wordpress.com/2049/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/heinzkuehn.wordpress.com/2049/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/heinzkuehn.wordpress.com/2049/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/heinzkuehn.wordpress.com/2049/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/heinzkuehn.wordpress.com/2049/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/heinzkuehn.wordpress.com/2049/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/heinzkuehn.wordpress.com/2049/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/heinzkuehn.wordpress.com/2049/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/heinzkuehn.wordpress.com/2049/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/heinzkuehn.wordpress.com/2049/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/heinzkuehn.wordpress.com/2049/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2049&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Hoffen auf die Krieger</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 15:37:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carsten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carsten Upadek - Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Mindestens noch einmal drei Stunden Fahrt hat Sônia Magalhães vor sich. Dabei ist die Anthropologin gerade erst mit dem Flieger aus Belém, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pará, in Altamira angekommen. Jetzt geht es mit dem Motorboot weiter zu einem Dorf des Indio-Stammes Juruna. Das Gebiet ist nur auf dem Wasser zu erreichen. Es liegt [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2039&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mindestens noch einmal drei Stunden Fahrt hat Sônia Magalhães vor sich. Dabei ist die Anthropologin gerade erst mit dem Flieger aus Belém, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pará, in Altamira angekommen. Jetzt geht es mit dem Motorboot weiter zu einem Dorf des Indio-Stammes Juruna. Das Gebiet ist nur auf dem Wasser zu erreichen. Es liegt in der „großen Beuge“ des Flusses Xingu, jener Seitenarm des Amazonas, der zum Betrieb des Wasserkraftwerks „Belo Monte“ gestaut werden soll.  </strong></p>
<p>Sônia Magalhães nennt den Xingu „Fluss der Indios“. Denn nirgends gebe es so viele geschützte Reservate brasilianischer Ureinwohner wie entlang dieses mächtigen Stromes, der im Bundesstaat Mato Grosso entspringt und nach knapp 2000 Kilometern in den Amazonas mündet. Drei der vier indigenen Sprachen werden allein entlang des Xingu gesprochen. Für die Ureinwohner ist er Quelle es Lebens – manchem Stamm ist der Fluss sogar heilig.</p>
<p>Auf dem Weg erzählt Ivo, der Fahrer des Motorbootes, dass es nur ihn und maximal noch zwei oder drei Kollegen gäbe, die zu dieser Jahreszeit zur großen Flussbeuge fahren würden. Denn der Xingu, der sich hier zu einer großen Schlaufe krümmt, ist zwar an vielen Stellen doppelt so breit wie etwa der Rhein, aber auch sehr flach. Gerade jetzt in der Trockenzeit. Sandbänke, natürliche Kanäle und Stromschnellen erschweren die Navigation. Kleine Inseln, Büsche und Felsbrocken ragen aus dem Wasser. Manche Steine sind aber auch unsichtbar knapp unter der Wasseroberfläche verborgen.</p>
<div id="attachment_2045" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/ivo.jpg"><img class="size-medium wp-image-2045" title="ivo" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/ivo.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Bootsführer Ivo umsteuert Sandbänke und Felsen im breiten aber flachen Xingu</p></div>
<p>Plötzlich knarrt es laut. Auch Ivo, der sein Leben lang den Xingu befährt, kann sich nicht jeden Fels merken und bleibt an einem hängen. Erst am Tag zuvor war ein Boot gekentert. Mehrere Menschen wurden verletzt. Diesmal geht es glimpflicher aus. Die Schraube des Bootsmotors hat sich verzogen. Nach einer halben Stunde kann Ivo die Fahrt mit seinem Gast Sônia Magalhães fortsetzen.</p>
<p>Mit Verspätung erreicht das Boot das Dorf Paquiçamba. Begrüßt werden die Besucher von einem der Anführer, Ozima Juruna. Das Dorf gebe es seit zwölf Jahren, erzählt er. Damals hätten sich die einzelnen Juruna-Familien dieses Gebietes zusammengeschlossen. Die Ortsführung geht entlang einfacher Holzhütten, bedeckt mit getrockneten Palmenwedeln. Gegessen wird, was das Feld, der Wald und der Fluss hergeben: Reis, Bananen und Maniok – dazu Schwein, Tapir und Fisch. Allerdings sind die 64 Bewohner keineswegs von der Außenwelt abgeschnitten. Sie haben ein Funkgerät, ein paar Glühbirnen und Fernseher mit riesigen Satellitenschüsseln. Der Strom dafür kommt aus Solarzellen.</p>
<p>Die anderen Anführer warten schon. In Paquiçamba treffen sich in diesen Tagen Repräsentanten verschiedener Dörfer und Stämme, um über die Zukunft zu beraten. Denn vor wenigen Wochen hatte die brasilianische Umweltbehörde den Bau des Mega-Staudamms genehmigt. Sônia Magalhães soll erklären, was genau passieren wird und welche Auswirkungen das haben könnte. Die Professorin ist Initiatorin einer Studie von 40 Wissenschaftlern, die sich kritisch mit den Planungen auseinandergesetzt. Denn laut Regierung, die hinter dem Baukonsortium des Staudamm-Projektes steht, seien die Indios nicht direkt vom Bau und dessen Folgen betroffen. Das Fazit von Sônia Magalhães nach 230-Seiten Studie: „Das ist für mich absoluter Blödsinn. Die Gesellschaftsform, in der die Indios heute leben, wird sich total verändern. Und das in einer sehr kurzen Zeit und auf sehr brutale Art“, sagt die Anthropologin.</p>
<p>„Wir spüren die Auswirkungen der Bauarbeiten schon jetzt“, erzählt Fernando Juruna, einer der Führer des Dorfes „Boa Vista“, das an der Transmazônica-Straße liegt. „Schon heute leiden wir unter der Invasion der Menschen, der Fluktuation der Fahrzeuge, die Abgase ausstoßen und Krach machen. Und es ist gerade einen Monat her, dass fünf Kilometer von unserem Dorf ein Bordell für die Bauarbeiter eröffnet wurde. Wir Anführer sind sehr besorgt. Tag für Tag wird es schwerer, unsere Kultur zu leben.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_2041" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/fernando.jpg"><img class="size-medium wp-image-2041" title="fernando" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/fernando.jpg?w=300&#038;h=224" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Anführer Fernando Juruna beklagt schon heute den negativen Einfluss des Mega-Projektes Belo Monte.</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Hoffnung der anwesenden Indigenen heißt „Kayapó“. Der Stamm ist der kriegerischste unter den Ureinwohnern Brasiliens. Die Alten erzählen noch heute Geschichten von diesen gefürchteten Kriegern aus dem südlichen Bundesstaat Mato Grosso. Den Kayapó ist der Xingu heilig, deshalb waren sie immer gegen den Staudamm. Schon 1989 verhinderte eine Gruppe um legendäre Stammesführerin Tuíra Belo Monte. Symbolisch bedrohte die alte Frau den damaligen Chef der verantwortlichen Energiefirma mit einem Messer. Das Bild ging um die Welt. Die Anwesenheit des Rockstars Sting sorgte für zusätzliche Öffentlichkeit. Belo Monte wurde vorerst auf Eis gelegt.</p>
<p>Doch die Zeiten haben sich geändert. 2008 verletzten Kayapó einen Mitarbeiter des Energieriesen „Eletronorte“ beim Protest gegen den Staudamm schwer mit einer Machete am Arm. Die öffentliche Unterstützung schwand. 2009 kam es zudem zum Streit zwischen den Kayapó und den Xikrin. Die Xikrin sind eine abgespaltene Unterart der Kayapó in der Nähe von Altamira, aber nicht weniger leidenschaftlich. Sie sollen neidisch gewesen sein auf Größe, Einfluss und Vermögen der Verwandten aus dem anderen Bundesstaat. Die Xikrin drohten mit Krieg, sollten die Kayapó nicht aus Pará abziehen und sie sprachen sich demonstrativ für den Bau des Staudamms aus. Daraufhin gingen die Kayapó und kehrten seither nicht mehr zurück.</p>
<p>„Wenn die Kayapó kommen“, heißt es bei der Versammlung im Juruna-Dorf Paquiçamba immer wieder, „dann haben wir eine Chance“. Am Ende sind sich die Repräsentanten einig: In einem Brief bitten sie die Verwandten um Unterstützung und heißen sie in der Großen Beuge des Xingu willkommen. Ob der Brief die Kayapó umstimmen kann, ist ungewiss. Auch ob Belo Monte überhaupt noch zu stoppen ist, ist völlig unklar. Politik und Wirtschaft scheinen entschlossen, den Staudamm zu bauen. Die Arbeiten haben begonnen. Schwere Maschinen werden gerade in die Region transportiert. „Ich habe aber noch Hoffnung“, sagt Sônia Magalhães. „Kein Prozess ist unabänderlich.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_2040" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/koerperbemahlung.jpg"><img class="size-medium wp-image-2040  " title="koerperbemahlung" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/koerperbemahlung.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Die Körperbemalung der Juruna ist Teil der Identität.</p></div>
<p style="text-align:center;">
<p>Zum Abschluss des Treffens wird getanzt und gesungen. Dazu tragen die Juruna die dunkle Farbe aus den Früchten des Jenipapo-Baumes auf ihren Körper auf. Die Muster aus Linien und Wellen symbolisieren die Elemente Erde und Wasser. Gemeint ist jenes Wasser des Xingu. Nach den Planungen würde der mächtige Fluss in der 100-Kilometer-langen Beuge aber zu einem Rinnsal. „Erde und Wasser sind unser Leben“, sagt Ozima Juruna, der die vier bekannten Muster noch zu zeichnen vermag. Früher, erzählt er, seien es viel mehr Ornamente gewesen. Es könne sich nur niemand mehr erinnern. „Wenn wir in die Stadt ziehen müssen“, sagt er weiter, „werden wir auch diese Letzten noch vergessen.“</p>
<p>Bootsführer Ivo stöhnt. Der Wasserstand ist durch die Trockenheit der letzten Tage noch weiter gesungen. Vier Stunden lang manövriert er das Motorboot im Zickzack zurück nach Altamira.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/heinzkuehn.wordpress.com/2039/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/heinzkuehn.wordpress.com/2039/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/heinzkuehn.wordpress.com/2039/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/heinzkuehn.wordpress.com/2039/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/heinzkuehn.wordpress.com/2039/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/heinzkuehn.wordpress.com/2039/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/heinzkuehn.wordpress.com/2039/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/heinzkuehn.wordpress.com/2039/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/heinzkuehn.wordpress.com/2039/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/heinzkuehn.wordpress.com/2039/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/heinzkuehn.wordpress.com/2039/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/heinzkuehn.wordpress.com/2039/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/heinzkuehn.wordpress.com/2039/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/heinzkuehn.wordpress.com/2039/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2039&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Mongolei 2011</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Jul 2011 14:54:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stories of asia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestatten, mein Name ist Nicole Graaf und ich bin auch eine der elf Glücklichen, die in diesem Jahr mit einem Heinz-Kühn-Stipendium einen anderen Erdteil erleben dürfen. Mich führt die Reise in die Mongolei, ein Land, über das man bei uns gemeinhin genausoviel weiß, wie über Tuvalu und Grönland. Allenfalls denkt man dabei an Dschingis Khan [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2029&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestatten, mein Name ist Nicole Graaf und ich bin auch eine der elf Glücklichen, die in diesem Jahr mit einem Heinz-Kühn-Stipendium einen anderen Erdteil erleben dürfen. Mich führt die Reise in die Mongolei, ein Land, über das man bei uns gemeinhin genausoviel weiß, wie über Tuvalu und Grönland. Allenfalls denkt man dabei an Dschingis Khan und die schier unendliche Steppe. Dabei unterhält die Mongolei gerade mit Deutschland Beziehungen bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Mehr dazu später, bzw. in <a title="Ulan Bator - German spoken here" href="http://www.asia-pacific-times.com/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=15556&amp;Itemid=9" target="_blank">diesem Artikel auf Englisch</a>, den ich bei meinem ersten Aufenthalt in 2009 geschrieben habe.</p>
<p>Was es also außer Grasland und wilden Reitern hier noch zu entdecken gibt, werde ich mich bemühen, in den nächsten drei Monaten herauszufinden. Mein Augenmerk gilt dabei hauptsächlich dem boomenden Bergbausektor und dem Goldrausch, der viele Mongolen in seinen Bann gezogen hat. Doch ich will nicht gleich alles vorneweg verraten.</p>
<p><strong>Die Reise beginnt mit Hindernissen</strong></p>
<p>Ein Teil dieser Zeilen entstand, während ich auf einer Plastiktüte auf dem Gehweg vor der mongolischen Botschaft in Peking saß. Die Uhr zeigte viertel vor sieben und um halb neun machte die Visastelle auf. Vor mir warteten noch ungefähr 10 andere Leute. Eigentlich wollte ich ein Studentenvisum beantragen, hatte alle Papiere schon zusammen und an einen Bekannten in Ulan Bator geschickt, der mit damit helfen wollte. Doch dann hagelte es Missverständnisse und am Ende sollte mich die ganze Sache fast 600 Euro kosten. Das hab ich dankend abgelehnt. Doch um das Visum noch in Deutschland zu beantragen, war es dann leider auch zu spät. Daher musste ich also in Peking auf die Botschaft. Als ich 2009 schon einmal in der Mongolei war, hatte ich mein Visum dort ohne Probleme bekomme. (Das war allerdings kurz vor Wintereinbruch.) So traf mich fast der Schlag als ich schnurstracks vom Flughafen um halb 11 vor der Botschaft erschien und vor mir rund 30 Leute warteten. Die ersten in der Reihe standen dort bereits seit 3 Stunden. Nach einer halben Stunde gab ich auf, denn es war sowieso aussichtslos noch vor Büroschluss um halb 12 dranzukommen. Pro Person brauchte die Dame am Schalter mindestens 10 Minuten.</p>
<p>Am nächsten Tag stand ich also wieder vor dem kleinen Bürocontainer auf der Rückseite der Botschaft. Die Luftfeuchtigkeit lag gefühlt bei 100% und nach etwa einer halben Stunde kam ein Wolkenbruch herunter, der die Gossen auf beiden Seiten der Straße in zwei kleine Bäche verwandelte. Zwei nette Chinesen hinter mir ließen mich und mein Notizbuch glücklicherweise mit unter ihren Schirm. Um viertel nach zehn hatte ich meinen Antrag samt Pass dann endlich unter dem Fenster durchgereicht.</p>
<p><strong>Wirtschaftszweig Tourismus</strong></p>
<p>Die Warteschlange war zwar ärgerlich für mich, aber sagt gleich eine ganze Menge über die Mongolei aus, zum Beispiel über den Tourismus: Viele, die dort vor der Visastelle warteten, waren Westler. Die meisten trugen praktische weite Klamotten, Flipflops oder Outdoorsandalen. Manche hatten ihre großen Reiserucksäcke dabei und kamen wahrscheinlich direkt vom Flughafen oder Bahnhof hierher. Die meisten, die ohne organisierte Gruppe die Mongolei besuchen, reisen über die beiden einzigen Nachbarländer, Russland und China, ein.</p>
<p>Der Tourismus ist ein wichtiges wirtschaftliches Standbein des Landes, rund eine halbe Million Touristen besuchen das Land pro Jahr. Die allermeisten davon in den kurzen Sommermonaten. Im Zentrum Ulan Bators finden sich an jeder Ecke Backpacker-Hostels und kleine e, die Touren aufs Land anbieten. Wer die Mongolei sehen will, kommt fast nicht drumherum bei ihnen eine Tour zu buchen, denn öffentliche Verkehrsmittel sind kaum vorhanden, die Minibusse steuern meist nur die Orte rund um Ulan Bator an, oder die Verwaltungszentren der Aimags (Provinzen).</p>
<p>Bei nur gut 3 Millionen Menschen, von denen mehr als ein Drittel sowieso in der Hauptstadt lebt, hat es sich bisher wahrscheinlich kaum gelohnt, ein öffentliches Verkehrsnetz aufzubauen &#8211; obwohl neue Straßen und Eisenbahnlinien mittlerweile in Planung sind.</p>
<p><strong>Der Chinesen-Faktor</strong></p>
<p>Die andere Gruppe der Wartenden vor der mongolische Botschaft in Peking rekrutierte sich aus Chinesen &#8211; hippe junge Pärchen, die wahrscheinlich genauso wie die westlichen Rucksacktouristen die Gobi sehen und auf dem Pferd durchs Grasland reiten wollten &#8211; aber auch zahlreiche Männer mit Bürstenhaarschnitt, dunklen Stoffhosen und einer Plastikmappe voller Papiere unter dem Arm. Die vor allem wegen des Bergbaus stark wachsende Wirtschaft der Mongolei zieht immer mehr Chinesen an. An vielem, womit in der Mongolei Geld zu machen ist, sind Chinesen beteiligt: Bauindustrie, Import von Waren aller Art und vor allem im Bergbau.</p>
<p><strong>Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit</strong></p>
<p>Die Mongolen sehen das gar nicht gern: die Chinesen sind in der Mongolei gelinde gesagt unbeliebt. Nicht selten sind sie mit Anfeindungen oder gar Gewalt konfrontiert. Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit wächst, vor allem gegenüber Chinesen, aber nicht nur. Auch Attacken auf westliche Ausländer nehmen zu, glaubt man dem, was man von den Expats hier so hört. Nicht selten sieht man Aufkleber, Wandkritzeleien oder Tattoos mit Hakenkreuzen und zwar der Sorte, die nichts mit dem Buddhismus zu tun haben. (Das Swastika stammt aus dem Hinduismus und Buddhismus und ist dort ursprünglich ein Glückssymbol. Die Nazis haben es geklaut und zweckentfremdet)</p>
<p><strong>Der große Bruder ist immer noch da</strong></p>
<p>Seltsamerweise genießen Russland und die Russen immer noch große Sympathien. Man würde denken, das Gegenteil müsste gelten, denn Russland hatte die Mongolei bis zum demokratischen Umbruch in den frühen 1990er Jahre, zwar nicht kolonisiert aber doch sehr stark dominiert. Auch hier hatte der Kommunismus neben positiven Aspekten wie hohem Bildungsstandard und gut ausgebautem Gesundheitswesen, auch seine unterdrückerische Seite gezeigt.</p>
<p>Um so verwunderlicher, dass die Mongolen Russland immer noch als großen Bruder betrachten. Womit wir wieder bei der Schlange vor der Botschaft wären: Russland hat nämlich den Mongolen nicht nur sein Bildungs- und Gesundheitssystem beschert, sondern auch seine &#8211; für ihre Umständlichkeit berüchtigte &#8211; Bürokratie.</p>
<p>Dazu, sowie zum wachsenden Nationalismus, den Touristen und natürlich zum Bergbau gibt es hier demnächst noch mehr zu lesen.</p>
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		<title>Bewusstsein schaffen</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jul 2011 21:36:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carsten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carsten Upadek - Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Mann wirkt zufrieden, fast glücklich. Er liegt auf dem Boden, den Kopf auf den Arm gestützt und sieht entspannt zu, wie die Leute an ihm vorbei-demonstrieren. „Man hätte meinen können, er liegt auf seiner Couch und schaut fern“, erzählt der Fotograf Davi Marcos. Doch eine Couch besitzt dieser Mann nicht, auch keinen Fernseher. Er [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2014&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Mann wirkt zufrieden, fast glücklich. Er liegt auf dem Boden, den Kopf auf den Arm gestützt und sieht entspannt zu, wie die Leute an ihm vorbei-demonstrieren. „Man hätte meinen können, er liegt auf seiner Couch und schaut fern“, erzählt der Fotograf Davi Marcos. Doch eine Couch besitzt dieser Mann nicht, auch keinen Fernseher. Er ist einer von ungezählten Obdachlosen auf den Straßen von Rio de Janeiro.</strong></p>
<p>Als Davi Marcos den Mann trifft, sucht er nach dem perfekten Bild. Eines, das die Botschaft der Demonstration, auf der er ist, zusammenfasst. Den Nationalfeiertag (Dia da Pátria/1822 Unabhängigkeit von Portugal) nehmen Aktivisten seit 1995 zum Anlass, gegen die soziale Ungerechtigkeit in Brasilien zu demonstrieren. Der „Schrei der Ausgeschlossenen“ (Grito dos Excluídos) will darauf aufmerksam machen, dass zehn Prozent der Bevölkerung mehr als drei Viertel des nationalen Einkommens unter sich aufteilen.</p>
<p>„Ich habe den Mann von hinten fotografiert“, erzählt Davi Marcos. „Auf dem Foto war er dann im Vordergrund, dahinter die Demonstranten und die Polizei. Bei den Polizisten sieht man jeweils ein Emblem der Stadtverwaltung sowie eines des Staates, also alle Machtsphären zusammen in einem Bild.“ Es ist das Lieblingsbild von Davi Marcos. „Ich fotografiere, weil etwas verändern will“, sagt er. „Die Fotografie ist mein Instrument zur sozialen Veränderung. Mit ihr kann man eine Botschaft verbreiten ohne sprachlichen Code.“</p>
<div id="attachment_2015" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/davi-blog.jpg"><img class="size-medium wp-image-2015" title="davi blog" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/davi-blog.jpg?w=300&#038;h=200" alt="Davi Marcos auf Motivsuche in der Favela &quot;Maré&quot;" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Der Fotograf Davi Marcos auf Motivsuche in der Favela &quot;Maré&quot;</p></div>
<p>Dabei hat die Fotografie Davi Marco selbst verändert. Ohne sie hätte der Lebensweg des heute 32-Jährigen auch ganz anders aussehen können. Geboren wird er in einem der Armeviertel im Norden von Rio, dem Favela-Komplex Maré. In den größtenteils inoffiziellen Vierteln leben rund 130.000 Menschen. Als Kind erlebt er, wie die Gewalt im Rio de Janeiro der 90-er Jahre explodiert. Bis zu 8000 Tote pro Jahr auf den Straßen, korrupte Politiker, hoch-kriminelle Polizisten. Rio versinkt in Angst und Agonie. Auch im Viertel von Davi Marcos kämpfen organisierte Kriminelle, professionalisiert in den Gefängnissen der Militärdiktatur der 70-er Jahre, gegen Polizisten um die Vorherrschaft im Drogenhandel.</p>
<p>Davi Marcos geht hier auf eine öffentliche Grundschule. „Schon damals wollte ich fotografieren“, sagt er. „Ein Freund meines Vaters war Fotograf. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich das mal machen könnte.“ Stattdessen treibt er sich mit älteren Mitschülern rum, arbeitet als Möbelpacker, Supermarktauskunft, Laufbursche und lebt für den „Baile Funk“.</p>
<p>Funk wird in den 90-er Jahren in den Armenvierteln von Rio populär. Markant an dieser Spielart des amerikanischen HipHop ist sein harter Elektro-Bass und die zahlreichen Todesfällen bei den Funk-„Bällen“ in den Favelas von Rio. Davi fängt an, sich regelmäßig zu prügeln, lernt extra Kickboxen, um besser auf die Funkpartys vorbereitet zu sein. Berüchtigt sind die „Bailes de Corredor“, ein Korridor zwischen zwei rivalisierenden Gruppen, in dem sich die „Funkeiros“ gegenseitig attackieren. „Irgendwann konnte ich mich nirgends mehr sehen lassen, weil es bei jedem Baile Funk jemanden gab, der mich umbringen wollte.“</p>
<p>Zu diesem Zeitpunkt ist Davi noch keine 20 Jahre alt. „Ich habe mich immer für alle mögliche Musikrichtungen interessiert und bin dann zum Rock gekommen. Wir haben dann eine Punk-Band namens <em>Abstinenz</em> gegründet.“ Die anderen Bandmitglieder wohnen auf einem anderen Favela-Hügel. Hier stößt Davi Marcos auf eine NGO, die einen Kurs für Fotografie anbietet. „Sowas hatte ich noch in keiner Favela gesehen. Weil es aber keinen freien Platz mehr gab, habe ich zunächst den Videokurs besucht.“ Hier wiederum hört er vom „Observatório de Favelas“ (frei übersetzt: Informationsstelle für Armenviertel). „Einen Monat lang bin ich jeden Tag zum Observatório gegangen und hab darum gebeten, den Kurs machen zu dürfen.“ 2006 gehört er dann zur 2. Gruppe derjenigen, die den Kurs anfingen.</p>
<p>Inzwischen haben mehrerer Jahrgänge die durch Spenden finanzierte Ausbildung abgeschlossen. Doch das ist nicht das einzige Projekt der Sozialeinrichtung. Seit zehn Jahren bemühen sich die Mitarbeiter des Observatório um gesellschaftliche Partizipation der Bewohner von Armenvierteln durch Aufklärung, politische Lobbyarbeit und konkrete Projekte zur Integration und zur Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins.</p>
<p>Für Davi Marcos bedeutet das Observatório den Beginn seiner Karriere als Fotograf. Hier erlernt er die Technik und die Philosophie des Fotografierens. Heute arbeitet der ehemalige Laufbursche, Partyschläger und Punkmusiker wie andere hier ausgebildete Fotografen bei der Agentur „Imagens do Povo“ (Bilder des Volkes). Die Bildagentur gehört praktischerweise zum Observatório, organisiert Ausstellungen und verkauft die Bilder wie andere Fotoagenturen auch.</p>
<div id="attachment_2018" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/complexo-i-netz.jpg"><img class="size-medium wp-image-2018 " title="Complexo I netz" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/07/complexo-i-netz.jpg?w=300&#038;h=200" alt=" in der pazifizierten Favela &quot;Complexo do Alemão&quot;" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Fotowand während einer Ausstellung der Agentur &quot;Imagens do Povo&quot; in der pazifizierten Favella &quot;Complexo do Alemão&quot;</p></div>
<p>Von dem Obdachlosen bei der Demonstration habe er etwas gelernt, erzählt Davi. „Der Mann hat so viele Probleme und wirkt trotzdem glücklich. Es kommt wohl nur darauf an, mit welcher Einstellung man sein Schicksal angeht.“ Das könnte auch für ihn selbst stehen. Das Observatório kann zwar nicht die Ungleichheit in Brasilien beenden, es kann aber ein Bewusstsein dafür schaffen, was möglich ist.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/heinzkuehn.wordpress.com/2014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/heinzkuehn.wordpress.com/2014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/heinzkuehn.wordpress.com/2014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/heinzkuehn.wordpress.com/2014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/heinzkuehn.wordpress.com/2014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/heinzkuehn.wordpress.com/2014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/heinzkuehn.wordpress.com/2014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/heinzkuehn.wordpress.com/2014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/heinzkuehn.wordpress.com/2014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/heinzkuehn.wordpress.com/2014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/heinzkuehn.wordpress.com/2014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/heinzkuehn.wordpress.com/2014/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/heinzkuehn.wordpress.com/2014/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/heinzkuehn.wordpress.com/2014/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=2014&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Nach dem Krieg bleibt die Skepsis</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Jun 2011 23:10:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carsten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Carsten Upadek - Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Lucas und seine Begleiter sind spät dran. Selbst für brasilianische Verhältnisse. Es ist halb vier am Nachmittag. 30 Minuten zuvor war er mit dem Kommandanten der Militärpolizei von Santa Marta für ein Interview verabredet. Nun steht die Gruppe am Fuß dieses steilen Hügels mitten in Rio de Janeiro und wartet auf die Seilbahn, die sie [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=1989&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lucas und seine Begleiter sind spät dran. Selbst für brasilianische Verhältnisse. Es ist halb vier am Nachmittag. 30 Minuten zuvor war er mit dem Kommandanten der Militärpolizei von Santa Marta für ein Interview verabredet. Nun steht die Gruppe am Fuß dieses steilen Hügels mitten in Rio de Janeiro und wartet auf die Seilbahn, die sie hinauf befördern soll. </strong></p>
<p>Lucas ist in der Gruppe so etwas wie der mit der Augenklappe unter den Blinden. Denn der Student war schon einmal oben auf dem Hügel von Santa Marta. Zur Vorbesichtigung. Bis vor gut zwei Jahren regierte hier eine bewaffnete Drogenbande, das <em>Comando Vermelho</em>. Dann kamen Sondereinheiten der Polizei. Zwei Monate lang bekämpften sich beide Seiten bis die Kriminellen vertrieben werden konnten. Santa Marta war die erste von rund 50 Favelas im Herzen Rios, die „befriedet“ wurde.</p>
<div id="attachment_1992" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/p1010026.jpg"><img class="size-medium wp-image-1992" title="" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/p1010026.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Blick über die Favela Santa Marta</p></div>
<p>„Ich würde gern erfahren, was sich dadurch im täglichen Leben der Menschen geändert hat“, sagt Lucas. Inzwischen ist die Seilbahn da, die eher aussieht wie ein Lastenaufzug. Viele Menschen stehen dicht zusammengedrängt in dem kleinen Abteil. Dazwischen Lucas, sein Kameramann Jorge und der deutsche Stativträger. Favelas wie Santa Marta kannte Lucas zuvor auch nur aus dem Fernsehen. „Wir sagen nicht umsonst, Rio ist die geteilte Stadt“, meint er. Der Teil von Lucas ist eigentlich die Mittel- und Oberschicht. Doch Lucas ist Reporter bei <em>TV PUC</em>, der Fernsehredaktion der Katholischen Universität von Rio. Es sind ausschließlich Studenten, die ein wöchentliches Magazin mit Talkelementen und Beiträgen produzieren, dazu Filme für den offenen Kanal.</p>
<p>Koordinatorin der Fernsehredaktion ist Carmem Petit. Für sie ist entscheidend, dass ihre Studenten „auf die Straße gehen“ und nicht nur im Hörsaal säßen. „Das ist wichtig, damit sie eine professionelle journalistische Haltung erlernen.“ Ihre 30 Studenten lernten natürlich, wie man ein Fernsehprogramm produziere. Aber sie lernten eben auch einen Teil der Wirklichkeit kennen, der vielen von ihnen zuvor unbekannt gewesen sei.</p>
<p>Ganz oben auf dem Hügel ist die Zentrale der UPP Santa Marta. UPP ist die Abkürzung für ein neues System, das übersetzt etwa „Einheit der Friedenspolizei“ heißt. Viele der vom Staat eroberten Favelas haben nun so eine Einheit, um Vertrauen auf Nachhaltigkeit bei der Bevölkerung zu schaffen. Die Aussicht hier oben sei gigantisch, findet Lucas. Nur der Polizeichef ist leider nicht da. Aber aus irgendeinem Raum dringen schiefe Töne verschiedener Streichinstrumente.</p>
<div id="attachment_1991" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/p1010039.jpg"><img class="size-medium wp-image-1991 " title="Musikschule" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/p1010039.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Musik als Sozialprojekt: Drei Mal pro Woche proben die Kinder und Jugendlichen von Santa Marta</p></div>
<p>In einem kleinen Raum sind an die 40 Kinder und Jugendliche gedrängt. Vorn steht eine junge Frau, die im Militärton den Takt vorgibt.  Sie heißt Brenda Knetsch und ist die Leiterin eines Musik-Sozialprojektes. „Man muss ein bisschen strenger sein, sonst kehrt keine Ruhe ein“, entschuldigt sie sich. Zwei Jahre gibt Brenda Knetsch nun schon Unterricht hier. „Das Viertel verändert sich“, sagt sie. „Die Kinder bringen ihre Eltern mit, die Eltern sind sehr zufrieden, dass ihre Kinder hier üben, Disziplin lernen.“</p>
<p>Der allererste Schüler war Antonio, 20 Jahre alt. „Ich wollte immer schon Violine lernen, von klein auf. Aber es gab ja keine Möglichkeit hier.“ Nach der Besetzung durch die Polizei habe er einen Zettel mit dem Angebot gefunden. „Es waren aber nicht genug Schüler, also habe ich alle meine Freunde zusammengetrommelt, damit der Kurs startet.“ Reporter Lucas fragt nach weiteren Veränderungen im täglichen Leben durch die UPP. Antonio muss nachdenken. „Nicht so viel“, antwortet er. „Aber es ist ruhiger geworden?“, fragt Lucas. „Ja es ist ruhiger geworden“, antwortet Antonio.</p>
<p>Draußen, etwas unterhalb des UPP-Gebäudes spielen Kinder Fußball. Lucas spricht mit einem jungen Vater, der bestätigt, dass er sich als Vater sehr viel sicherer fühle ohne Drogenbanden. Vorbei läuft eine schwer bewaffnete Patrouille von Militärpolizisten der Friedenseinheit.</p>
<div id="attachment_1993" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/p1010044.jpg"><img class="size-medium wp-image-1993  " src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/p1010044.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Reporter Lucas in der von &quot;Friedenspolizisten&quot; gesicherten Favela</p></div>
<p>Es wird schon dunkel, als das Interview mit einem Vertreter des Hauptmanns endlich stattfindet, der etwas zum Verhältnis von Polizei und Favela-Bewohnern sagen soll. Schließlich war das nicht immer das Beste. Gefürchtet waren die Einsätze der Spezialeinheit „BOPE“, deren Markenzeichen ein Totenkopf ist. Zwischen bewaffneten Drogendealern und einfachen Bewohnern machten die schwer bewaffneten Einheiten wenig Unterschied. Sergeant Ismar Duarte erklärt, dass es natürlich bei Schusswechseln zu unschuldigen Opfern gekommen sei, was die Skepsis der Leute hier erkläre. Aber durch die permanente Präsenz der UPP habe man viel Vertrauen gewinnen können.</p>
<p>Lucas ist zufrieden. Der Dreh ist gut gelaufen, meint er auf dem Rückweg. Die Seilbahn nach unten ist in den Abendstunden fast leer. „Ich fand das sehr spannend hier. Ich glaube, dass sich schon viel verändert hat, aber man merkt einigen Leuten auch noch die Skepsis an, ob der Friede von Dauer ist.“ 2014 kommt die Fußball-WM, 2016 Olympia. Mancher befürchtet, dass es danach wieder vorbei sein könnte mit dem staatlichen Engagement.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/heinzkuehn.wordpress.com/1989/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/heinzkuehn.wordpress.com/1989/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/heinzkuehn.wordpress.com/1989/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/heinzkuehn.wordpress.com/1989/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/heinzkuehn.wordpress.com/1989/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/heinzkuehn.wordpress.com/1989/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/heinzkuehn.wordpress.com/1989/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/heinzkuehn.wordpress.com/1989/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/heinzkuehn.wordpress.com/1989/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/heinzkuehn.wordpress.com/1989/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/heinzkuehn.wordpress.com/1989/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/heinzkuehn.wordpress.com/1989/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/heinzkuehn.wordpress.com/1989/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/heinzkuehn.wordpress.com/1989/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=1989&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Der Traum vom Chefkoch</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Jun 2011 17:24:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>davidfrechenhaeuser</dc:creator>
				<category><![CDATA[David Frechenhäuser - Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Steak brutzelt auf dem Grill. Mightypower prüft mit dem Finger, ob es durch ist. „Es ist noch nicht so weit.“ Der junge Mann mit dem lustigen Namen und der großen weißen Mütze ist Koch-Azubi im NICE. Dies steht für Namibian Institute of Culinary Education und ist ein Windhoeker Restaurant mit einer angeschlossenen Koch­schule. Mightypower [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=1975&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Steak brutzelt auf dem Grill. Mightypower prüft mit dem Finger, ob es durch ist. „Es ist noch nicht so weit.“ Der junge Mann mit dem lustigen Namen und der großen weißen Mütze ist Koch-Azubi im NICE. Dies steht für Namibian Institute of Culinary Education und ist ein Windhoeker Restaurant mit einer angeschlossenen Koch­schule. Mightypower ist 22 Jahre alt und in seinem zweiten Lehrjahr. In ein paar Wochen stehen seine letzten Prüfungen an. „Kochen ist meine Passion, mein Traum, schon seitdem ich klein bin“, erzählt er und lacht. Die Küche ist aufgeteilt in mehrere Arbeitsbereiche. Heute Abend ist er der Herr über den Grill. Die Küche ist offen, jeder Kunde, der ins Restaurant geht, kommt vorbei und kann einen Blick hineinwerfen. Gerade kochen vier ausgebildete Köche und fünf Lehrlinge.</p>
<div id="attachment_1976" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1976" title="Kochschule" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/11-03-04-krumhuk-namibia-041.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Mightypower und Stephan Brückner (v.l.)</p></div>
<p>„Das Konzept ist Training on the Job“, erklärt Stephan Brückner, Chef des Restaurants. Er ist in Windhoek aufgewachsen, hat in Berlin studiert. In diesem Haus, in dem jetzt dutzende Köche ausgebildet werden, lebte schon sein Großvater. Der Arzt erwarb es 1920, damals stand es noch am Stadtrand. Es war für ihn ein kurzer Weg zur Arbeit im katholischen Krankenhaus. Auch seine Eltern wohnten hier. Die zogen vor ein paar Jahren aus, das Haus sollte verkauft werden. Dann hatte Stephan Brückner die Idee, eine Kochschule zu gründen. Im Süden Namibias führt er eine Lodge und leidet seit Jahren unter chronischem Koch-Mangel. „Es gibt jetzt in Namibia eine Aus­bildung an der Fachhochschule, aber da machen im Jahr vielleicht 20 Absolventen ihren Abschluss. Das reicht einfach nicht, den wachsenden Tourismussektor zu bedienen.“ Brückner bildet also für den Eigenbedarf, aber auch für andere Lodges und Hotels aus. „70 Prozent der jungen Leute gehen dann zur Konkurrenz“. Das Engagement wird goutiert. Momentan finanziert sich die Schule u.a. durch staatliche Zuschüsse: Ein Teil der US-amerikanischen Entwicklungshilfe für Namibia fließt in den Ausbildungsbereich des zukunftsträchtigen Tourismussektors. So zahlen die Studenten noch nichts für die Ausbildung, die pro Kopf und Jahr umgerechnet 4.000 Euro kostet. Gerade haben 30 neue Azubis angefangen, 15 sind im zweiten Jahr und im Juli fangen wieder 30 an. Wenn die Studenten sich allerdings daneben benähmen oder sich nicht anstrengen würden, müssten sie ein Drittel der Kosten (ca. 1.300 Euro pro Jahr) übernehmen. Aber der Jahrgang sei sehr engagiert. Ein Teil der staatlichen Zuschüsse wird außerdem immer erst dann überwiesen, wenn die Studenten die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und eine Arbeitsstelle gefunden haben.</p>
<div id="attachment_1977" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1977" title="Kochschule" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/11-03-04-krumhuk-namibia-048.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Ein Blick in die Küche</p></div>
<p>Als nächstes Ziel soll die Ausbildung erweitert werden. Aktuell dauert sie zwei Jahre und beinhaltet drei Stufen mit verschiedenen Prüfungen. Level eins und zwei erreicht man nach sechs Monaten. „In dieser Zeit werden die Studenten mit der Küche in Berührung gebracht.“ Dann müssten sie entscheiden, ob sie wirklich Koch werden wollen. 50 Prozent der Studenten würden da meist rausfallen, so Brückner. Dann folgt der dritte Level, der dauert noch einmal 18 Monate. „Aber dann ist man noch kein Chefkoch. Dann ist man in der Lage, in irgendeiner Hotel- oder Lodgeküche einen sinnvollen Beitrag zu leisten.“ Das Ziel ist eine dreijährige Ausbildung mit fünf Levels inklusive einer Spezialisierung z.B. zum Saucier, also einem Spezialisten für Saucen oder zum Patissier, dem Küchenkonditor. Die Absolventen sollen dann ein staatliches Zertifikat erhalten. Hierfür arbeiten das NICE und die verantwortliche Behörde für Ausbildungen, die Namibia Training Authority (NTA), eng zusammen: „Das Thema Berufsausbildung steckt in Namibia noch in den Kinderschuhen und wird entwickelt von Seiten des Staates. Wir sind da als Pilotobjekt ausgewählt worden.“, erzählt Brückner stolz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_1979" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1979" title="Kochschule" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/11-03-04-krumhuk-namibia-050.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Fotografie im Restaurant</p></div>
<p>Mightypower hat bereits die nächste Bestellung bekommen und klopft das rohe Steak von einer Oryx-Antilope mit dem Hammer flach. Er gibt Öl, Salz und Pfeffer dazu und legt es auf den Grill. Nebenan beobachtet er eine Kollegin aus dem ersten Lehrjahr. Sie bereitet eine braune Bratensauce vor, die nicht dick werden will. Er gibt ihr Tipps und lacht wieder. Der heutige Küchenchef Timus lobt seinen Lehrling. Er sei enga­giert und könne gut mit Leuten umgehen. Man sähe es einfach an seinem Lachen. Mightypower will nach seiner Ausbildung in verschiedenen Küchen arbeiten. In fünf bis zehn Jahren will er ein eigenes Restaurant oder Cateringunternehmen führen oder Chefkoch in einem Fünfsternehotel oder auf einem Kreuzfahrtschiff sein. „Ich will irgendwas Großes machen. Wir jungen Namibier haben eine Chance. Wir müssen nur hart arbeiten und an uns glauben.“</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/heinzkuehn.wordpress.com/1975/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/heinzkuehn.wordpress.com/1975/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/heinzkuehn.wordpress.com/1975/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/heinzkuehn.wordpress.com/1975/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/heinzkuehn.wordpress.com/1975/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/heinzkuehn.wordpress.com/1975/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/heinzkuehn.wordpress.com/1975/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/heinzkuehn.wordpress.com/1975/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/heinzkuehn.wordpress.com/1975/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/heinzkuehn.wordpress.com/1975/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/heinzkuehn.wordpress.com/1975/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/heinzkuehn.wordpress.com/1975/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/heinzkuehn.wordpress.com/1975/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/heinzkuehn.wordpress.com/1975/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=1975&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Architektur an der Polytech</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Jun 2011 17:12:39 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[David Frechenhäuser - Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Studenten sind in ihre Arbeit vertieft. Sie sitzen an Werkbänken in einer großen Halle. Alle haben vor sich kopfgroße, abstrakte Ton-Modelle stehen. Charakteristisch sind die recht­eckigen Formen. Die Hochschüler müssen dieselben Figuren noch einmal mit Holzstäbchen nachbauen. Daneben ist das erste abgeschlossene Projekt der Erstsemester-Studenten zu bestaunen: kleine abstrakte Konstruktionen aus Bambusstangen. Die besten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=1967&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Studenten sind in ihre Arbeit vertieft. Sie sitzen an Werkbänken in einer großen Halle. Alle haben vor sich kopfgroße, abstrakte Ton-Modelle stehen. Charakteristisch sind die recht­eckigen Formen. Die Hochschüler müssen dieselben Figuren noch einmal mit Holzstäbchen nachbauen. Daneben ist das erste abgeschlossene Projekt der Erstsemester-Studenten zu bestaunen: kleine abstrakte Konstruktionen aus Bambusstangen. Die besten Werke wurden in überdimen­sionaler Größe nachgebaut und stehen jetzt auf dem Hof der Polytech, der nami­bischen Fachhochschule.</p>
<div id="attachment_1968" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1968 " title="Architekturstudium" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/11-03-21-okapuka-namibia-016.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Die Studenten mit einer der Bambus-Konstruktionen</p></div>
<p>Im hinteren Teil der Halle sind die aktuellen Modelle des ersten Jahrgangs der Architekturausbildung in Namibia ausgestellt. Die Studenten Charlene und Ewald zeigen mir ihre Skizzen, die sie mit modernen Grafikprogrammen entworfen haben und ihre dazugehörigen Modelle aus Pappe und Holz. In drei Wochen hätten sie ein modernes, behindertengerechtes Haus mit Arztpraxis kreieren müssen. Ewald und Charlene wollen beide als Architekten in Namibia arbeiten. Charlene möchte nach dem vierjährigen Studium noch einen Master im Ausland absolvieren. Denn dieser Abschluss wird in Namibia noch nicht angeboten, weil das Architekturstudium erst ausgebaut werden muss.</p>
<p style="text-align:center;"><img class="aligncenter" title="Architektur-Studium" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/11-03-21-okapuka-namibia-010.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></p>
<p>Einer, der dabei kräftig mithilft, ist Phillip Lühl. Der 28-jährige Deutsch-Namibier ist hier geboren, hat in den Niederlanden Architektur studiert und dort eine Zeit lang gearbeitet. Jetzt ist er Junior-Dozent an der Polytech. Die neue Aufgabe lockte ihn schneller als gedacht wieder in sein Heimatland zurück: „Ich finde es unglaublich spannend, hier mitzuarbeiten, gerade weil sich noch alles im Aufbau befindet.“ Der Beginn des Studiums vor einem Jahr sei für den ersten Jahrgang noch ein wenig chaotisch gewesen. Jetzt liefe schon alles viel routinierter ab.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_1970" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/11-03-21-okapuka-namibia-012.jpg"><img class="size-medium wp-image-1970  " title="Architektur-Studium" src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/11-03-21-okapuka-namibia-012.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Die Studenten mit Dozent Phillip Lühl (v.l) und Professor Sigurd Scheuermann (Mitte)</p></div>
<p class="size-medium wp-image-1969">Die neuen Erstsemester-Studenten werden gerade von einem deutschen Professor unterrichtet. Sigurd Scheuermann von der Aachener Fachhochschule ist begeistert von den jungen Namibiern. Sie seien engagiert, der Leistungsstand sei genauso gut wie in Deutschland. Er begründet das mit dem strengen Bewerbungs­verfahren Anfang des Jahres. Wer die Prüfungen nicht erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde erst gar nicht zum Studium zugelassen. Eine, die es geschafft hat, ist Tejiri. Die 17-Jährige arbeitet konzentriert an einem Holzmodell. Dabei schaut sie immer wieder auf die Variante aus Ton. Ihr gefällt dieses Projekt sehr. Sie mag es, Skulpturen zu entwerfen. Professor Sigurd Scheuermann schaut den Studenten immer wieder über die Schulter. Er ist sehr enthusiastisch und hat ein ganz konkretes Ziel: „Die Studenten sollen einmal Designer mit dem Gefühl und dem Wissen von Ingenieuren werden.“ Sie sollen nicht nur die Zeichnungen entwerfen, sondern den gesamten Gestaltungsprozess eines Hausbaus vor Ort betreuen. Die Chancen sehen gut aus für die Studenten, die Architektenkammer sucht Nachwuchs. Es herrscht Fachkräftemangel. Außerdem ist es schwierig für qualifizierte Ausländer, eine Arbeitserlaubnis für Namibia zu bekommen. Für sechs der dreizehn Studenten des ersten Jahrgangs geht es dieses Jahr für ein Semester an die Aachener Fachhochschule. Charlene und Ewald hoffen beide sehr, dass sie dabei sein werden.</p>
<p class="size-medium wp-image-1969">
<div id="attachment_1972" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1972 " src="http://heinzkuehn.files.wordpress.com/2011/06/11-03-21-okapuka-namibia-0151.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Studentin Tejiri mit einem Tonmodell</p></div>
<p class="size-medium wp-image-1969">
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/heinzkuehn.wordpress.com/1967/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/heinzkuehn.wordpress.com/1967/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/heinzkuehn.wordpress.com/1967/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/heinzkuehn.wordpress.com/1967/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/heinzkuehn.wordpress.com/1967/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/heinzkuehn.wordpress.com/1967/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/heinzkuehn.wordpress.com/1967/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/heinzkuehn.wordpress.com/1967/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/heinzkuehn.wordpress.com/1967/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/heinzkuehn.wordpress.com/1967/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/heinzkuehn.wordpress.com/1967/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/heinzkuehn.wordpress.com/1967/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/heinzkuehn.wordpress.com/1967/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/heinzkuehn.wordpress.com/1967/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=heinzkuehn.wordpress.com&amp;blog=7521750&amp;post=1967&amp;subd=heinzkuehn&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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